Seltsam verlächelnd schob der Laborant den Kolben fort, der halbberuhigt rauchte.

Er wusste jetzt, was er noch brauchte, damit der sehr erlauchte Gegenstand da drin entstände.

Zeiten brauchte er, Jahrtausende für sich und diese Birne in der es brodelte;
im Hirn Gestirne und im Bewusstsein mindestens das Meer.

Das Ungeheuere, das er gewollt, er ließ es los in dieser Nacht.

Es kehrte zurück zu Gott und in sein altes Maß; er aber, lallend wie ein Trunkenbold, lag über dem Geheimfach und begehrte den Brocken Gold, den er besaß.

Rainer Maria Rilke, 22.8.1907, Paris


Wer du auch seist: am Abend tritt hinaus aus deiner Stube, drin du alles weißt;

als letztes vor der Ferne liegt dein Haus: wer du auch seist.

Mit deinen Augen, welche müde kaum von der verbrauchten Schwelle sich befrein,
hebst du ganz langsam einen schwarzen Baum und stellst ihn vor den Himmel: schlank, allein.

Und hast die Welt gemacht. Und sie ist groß und wie ein Wort, das noch im Schweigen reift.

Und wie dein Wille ihren Sinn begreift lassen sie deine Augen zärtlich los…

Rainer Maria Rilke
Aus: Das Buch der Bilder ( 1902 und 1906)
DES ERSTEN BUCHES ERSTER TEIL